Ulrichs Gedanken – Gibt es Alternativen im Gesundheitswesen – auch für die Pflege?

Man hat das Gefühl, die ganze Welt ist im Umbruch. Können wir etwas in Frage stellen ohne eine Alternative zu bieten? So geht es mir im Bezug auf die Pflege.

Pflege als Renditebringer für Investoren – mit Traumrenditen, Pflegenotstand aufgrund von Personalmangel. Was ist zu tun?
 
Man muss das gesamte System in Frage stellen, denn es ist krank und soll jetzt durch das rumdoktern an Symptomen gesunden. Natürlich kann man 10000 oder 20000 neue Stellen schaffen, sie können jedoch nicht mit qualifiziertem Personal besetzt werden. Zurzeit sind schon 30000-50000 Stellen unbesetzt. Das wird also nicht zielführend sein. Die Privatisierung des Gesundheitssektors hat die Versorgung nicht verbessert, Investoren machen ihr Geld. Die Gesundheit darf nicht der freien Marktwirtschaft überlassen werden. Man muss aber auch klar feststellen, dass das System der 70er und 80er Jahre heute nicht mehr finanzierbar wäre.
Der Königsweg wird gesucht! Insbesondere wir Pflegende mit unseren Innenansichten sollten uns Gedanken machen und diese auch zur Diskussion stellen. Wir sind ein wichtiger Teil des Systems und nicht nur Erfüllungsgehilfen.

Eine Legende besagt, dass chinesische Ärzte in der Vergangenheit nur Geld bekamen, solange der Patient gesund war, die Entlohnung wurde ausgesetzt, sobald jemand erkrankte. Dies ist eine Legende, aber der dahinter stehende Gedanke ist bemerkenswert. Die Krankenkassen heißen heute ja schon Gesundheitskassen, da ist es vielleicht nur noch ein kleiner Schritt für Gesundheit zu bezahlen, anstatt für die Krankheit. Ich wage sogar zu behaupten, dass es dann einige Diagnosen gar nicht gäbe. Überhaupt glaube ich, dass wir wesentlich gesünder wären. Das ist keine Ironie, wenn sich dieser Gedanke nach und nach in unserem Gesundheitssystem etablieren würde, wäre schon ein erster Schritt getan.

Die Ursachen für den sogenannten Pflegenotstand sind vielschichtig. Im Bereich der Ausbildung herrscht seit Jahren Chaos, die Pflege hat keine Lobby (Hoffnungsschimmer Pflegekammer?), hohe physische und psychische Belastung bei einem relativ geringen Verdienst, hohe Aussteigerquote und eine, zum Glück, veränderte Einstellung der jungen Generation. Aufopferungsbereitschaft war gestern, heute zählt eine gute Work-Life-Balance und ein Einkommen mit dem man sorgenfrei wirtschaften kann.
Das ist im pflegerischen Bereich nur in wenigen Teilbereichen möglich. Die gesellschaftliche Anerkennung des Berufs ist nach wie vor hoch, ja man hat sogar das Gefühl des Mitleids für unsere schwere unterbezahlte Arbeit. Nur Bezahlen mag sie trotzdem keiner. Es wäre genug Geld im System. Das mag sogar stimmen, aber wer nimmt denn dann die notwendige Umverteilung vor? Freiwillige vor! Da sind schon viele dran gescheitert, ein Facharbeiter in der Industrie mit vergleichbarer Qualifikation verdient immerhin das Doppelte.

Eine schnelle und radikale Veränderung kann nur mit der Hilfe des Staates vorgenommen werden. Die Idee ist, dass zum nächst möglichen Termin den Pflegendem die Arbeitnehmersteuern erlassen werden. Dies sollte eine zeitlich begrenzte Maßnahme über mehrere Jahre sein (5-10 Jahre). In diesem Zeitfenster soll der Mindestlohn für Pflegende auf 30 Euro ansteigen, und die Steuererleichterungen können zurück gefahren werden. Dies würde jedem Pflegenden sofort helfen, der Beruf würde attraktiver und einige Aussteiger kämen ins Nachdenken.

Dies sind meine Gedanken, die eventuell Alternativen darstellen könnten. Ich würde mich freuen, wenn auch Du dir zu diesem Thema Gedanken machst und ein reger Austausch erfolgen könnte.

Schauen wir mal….
Ulrich Ledermann

Titelbild: „Menschen vor Profite! Pflegenotstand stoppen“ von DIE LINKE (Martin Heinlein) ist lizensiert unter CC BY 2.0

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