Ulrichs Gedanken – Pflegekammer in NRW?

Auch in NRW wird demnächst darüber abgestimmt, ob eine Pflegekammer implementiert werden soll.
 
197000 Pflegekräfte gibt es in NRW, 1500 repräsentativ ausgewählte Pflegepersonen stimmen ab. Das sind knapp 0,8% der Betroffenen. Dies stellt natürlich einen hohen Anspruch an die Auswahlkriterien der Befragten dar. Wobei zu hoffen bleibt, dass diese Kriterien auch wirklich repräsentativ sind.

Zur Wahl stehen Landespflegekammer, Pflegering und als weitere Option, dass keine zusätzliche Interessenvertretung erforderlich ist.
Ich möchte hier gar nicht auf die Vor – und Nachteile der Möglichkeiten eingehen, da ist genügend Informationsmaterial verbreitet worden. Obwohl ich mich gut informiert habe, fällt es mir schwer mich zu positionieren.
Auffällig ist für mich, die doch überraschende Allianz der privaten Arbeitgeberverbände und der für uns zuständigen Gewerkschaft Verdi. Sie sprechen sich mehr oder weniger direkt gegen eine Pflegekammer aus.
Das ist schon bemerkenswert, jahrzehntelang haben sie nichts gebacken bekommen, insbesondere die Gewerkschaft und nun wird in einer Pflegekammer der große Konkurrent gesehen.
Die kirchlichen Arbeitgeber und der DBfK stehen einer Pflegekammer eher positiv gegenüber.
Ich kann nicht sagen warum unsere „Interessenvertreter“ diese oder jene Position einnehmen, aber rein von der Zusammenstellung Gewerkschaft/ priv. Arbeitgeber und DBfK/ konf. Arbeitgeber liegt die Vermutung nahe, dass es um Macht und Einfluss geht, und nicht um die Belange einer ganzen Berufsgruppe.
Wir Pflegenden brauchen eine Stimme, die Betonung liegt auf „eine“. Denn es kann nicht sein, dass die größte Gruppe im Gesundheitswesen mit Tausenden von pflegenden Fachspezialisten von anderen Berufsvertretern und Politikern bevormundet wird und kein gesetzlich gesichertes Mitspracherecht, bei gesundheits- und berufspolitischen Entscheidungen, hat. Eine gesetzlich gesicherte Selbstverwaltung des Berufsstandes kann nur von einer Pflegekammer durchgeführt werden. Diese Institution wird uns dann auch helfen, an entscheidenden Stellen Gehör zu finden.
Natürlich entsteht eine neue Behörde, eine staatl. Institution. Es kostet Geld und Erfolge werden wahrscheinlich erst nach Jahren sichtbar sein. Es wird Pöstchengeschacher geben und bis alle Gremien paritätisch genug besetzt sind wird auch Zeit ins Land gehen.
Ich bin seit 40 Jahren im pflegerischen Bereich tätig, die Arbeitsbedingungen sind immer schlechter geworden und es muss etwas geschehen. Vielleicht gelingt ja in den nächsten 10 Jahren die Wende.
Weiter so wie bisher, ist keine Option. Wer nichts riskiert erlebt auch nichts.
Wenn die Pflegekammer nur halb so gut wie die Ärztekammer funktioniert, sind wir auf der Gewinnerseite.
Ich denke ich habe meine Position gefunden. Hast du dir auch bereits Gedanken über dieses Thema gemacht?

Ulrich Ledermann

Titelbild: Tim Reckmann  / pixelio.de

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